Integration internationaler Pflegekräfte

Interessante und praktisch angelegte Seminarinhalte in Neunkirchen

 

Die „Akademie“ des Schwesternverbandes veranstaltete zusammen mit dem Bildungsträger „Lingoda“ einen Fachtag zum Thema: „Erfolgreiche und nachhaltige Integration von internationalen Auszubildenden und Fachkräften in der Pflege.“

Rund 20 Teilnehmer*innen aus dem Schwesternverband und vor allem auch externer Träger hatten beim Fachtag Gelegenheit, sich auszutauschen sowie wertvolle und praktische Tipps voneinander und vor allen von den Referenten von „Lingoda“ zu erhalten.

Ellen Yasar vom Psychiatrischen Zentrum Nordbaden sprach in ihrem Vortrag „Von der Fremde zur Vertrautheit: Den Weg internationaler Pflegekräfte und Azubis verstehen“ über Es ging ihr darum, Verständnis für diese Integrationsprozesse und die internationalen Pflegekräfte oder Auszubildenden zu fördern und praxisnahe Handlungsmöglichkeiten für den Pflegealltag aufzuzeigen. Neben einer adäquaten Sprachförderung ginge es von Anfang an darum, den Pflegekräften Sicherheit und Orientierung zu bieten, sie zu begleiten und mit ihnen gemeinsam zu reflektieren. Gerade auch die soziale Integration darf nicht außer Acht gelassen werden. Konkrete Maßnahmen zur Umsetzung sind: verlässliche Bezugspersonen, explizite Regeln statt impliziter Erwartungen, fehlerfreundliche Lernräume, Sprachsensibilität im Alltag und eine Anerkennung der Personen im Team jenseits der Fachlichkeit.

Sprachwissenschaftlerin Johanna Nickel legte ihren Fokus auf das Sprachbewusstsein im Umgang mit internationalen Pflegekräften und gab Tipps für eine gelingende Kommunikation. Mit kleinen praktischen Übungen versuchte sie zu zeigen, wie schwer es ist, Sprachbarrieren zu überwinden – gerade auch wegen der zahlreichen Dialekte, die es in Deutschland gibt und die für Pflegekräfte anderer Länder schwer zu verstehen sind. Auch kulturelle Gegebenheiten, Redewendungen oder die nonverbale Kommunikation ist zu beachten und erschwert die Integration. Nickel gab Denkanstöße, wie eine verständliche Kommunikation möglich ist. Ganz praktisch gesagt: bei der Kommunikation mit internationalen Kolleg*innen sollten keine Metaphern oder Wortverbindungen gewählt werden, sondern ganz bewusst einfache standarddeutsche Wörter. Sätze sollten möglichst kurz und eher im Aktiv als im Passiv formuliert sein. (Besser: „Wir waschen die Patienten heute.“ – statt: „Die Patientin wird heute gewaschen.“) Zudem sollten mehr Verben statt Substantive verwendet werden. (Besser: „Um Komplikationen zu vermeiden…“ – statt: „Zur Vermeidung von Komplikationen…“). Die Fachtagteilnehmer*innen hatten Gelegenheit diese einfachen Tricks in Kleingruppen auszuprobieren. Auch ging die Referentin auf den Umgang mit Fehlern ein. Hier sollte eher repariert statt ständig korrigiert werden.

Duniel Cardenas-Rodriguez stellte die „Regionale Fachkräfteallianz Pflege“ als Best Practice Beispiel vor, die Integration von „internationalen Talenten“ als regionale Gemeinschaftsaufgabe zu betrachten. Dafür lud er die Gäste zu einem Gedankenexperiment ein: Stellen Sie sich vor, Sie wandern nach Japan aus… Auf welche Herausforderungen treffen wir? Neben fehlender Vertraut- und Sicherheit und mangelnder Sprachkenntnisse fehlen erst mal soziale Beziehungen sowie kulturelle Gewohnheiten, die sich in einem fremden Land völlig anders gestalten können. Langfristig in einem anderen Land zu wohnen verursache immer eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die gerade auch von Krisen geprägt seien. Hier müssen internationale Kolleg*innen aufgefangen werden. Die „Regionale Fachkräfteallianz Pflege“ habe dazu Kooperationen zwischen den Einrichtungen und den Kommunen gegründet, um Synergien zu nutzen und die Integration zu erleichtern.

Der interessante und praxisorientierte Tag wurde den Teilnehmer*innen mit einem Häppchen-Buffet am Morgen versüßt. Herzhaftes Fingerfood stärkte um die Mittagszeit, sodass die Aufmerksamkeit bis in den Nachmittag reichte.

Info:

„Lingoda GmbH ist als Bildungsträger für internationale Gesundheitsfachkräfte in beruflicher Anerkennung AZAV zertifiziert und führt bundesweit geförderte Vorbereitungskurse auf die Kenntnisprüfungen für Pflegekräfte, OTA, ATA, Ärzte, Hebammen und Physiotherapeutinnen durch.“

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