Der Garten des „Haus St. Anna“ in Külsheim

Unsere Anlage hat innere Werte!

Die Außenanlage des „Haus St. Anna“ ist innovativ, weil sie schon jetzt die Aufgaben unserer Zeit einbezieht: Naturschutz ist gelebter Klimaschutz! Die Akzeptanz fällt noch so manchem schwer, da nicht nur ungewohnt, sondern sogar entgegengesetzt zur Zielrichtung der Gartenpflege der Nachkriegsjahre: „Sauberhalten von Unkräutern“. In Gartenkonzept des „Haus St. Anna“ sollen nun Feinde zu Freunden werden. Landschaftsarchitektin Andrea Maria Bartsch erklärt, warum wir das tun…

Die Artenvielfalt in der Natur hat mehr mit unserem Überleben auf dem Planeten zu tun, als viele meinen: Die Natur kann sich nur regenerieren, uns sauberes Wasser, gute Luft, ausreichend Niederschläge schenken, wenn sie viele Lebewesen mit vielen verschiedenen Überlebens-Tricks beherbergt. Die Magerwiese, die rund ums „Haus St. Anna“ angestrebt wird, hat am Ende 40 Pflanzenarten, viele davon blühend, statt fünf Grasarten in einem normalen, sauberen Rasen. Die Entwicklungszeit in lebendigen Systemen braucht Geduld, auch das sind wir nicht mehr gewöhnt. So ist es in der Natur: Ein Baum ist in einer Stunde gefällt und hat doch vielleicht hunderte von Jahren gebraucht, bis er gewachsen ist.

Zurück zur Wiese: Im ersten Jahr haben wir allen Kräutern erlaubt zu wachsen, auch den unbeliebten Disteln. Denn diese Erstbesiedler haben ein Dach gebildet, für die nun erwünschten, sanfteren Schönblüher. Zu ausbreitungsstarke Arten werden nun zum Erhalt der Artenvielfalt entfernt. Auch wird die Mahd in den Folgejahren früher und häufiger erfolgen. Hohe Blühinseln belassen wir nur an geeigneten Stellen.

Das Leben im Boden

Aber es ist nicht nur das wertvoll, was wir an der Oberfläche sehen. Am wichtigsten ist das Heer der Lebewesen im Boden, das auf die ungestörte, artenreiche, heimische Flora an der Oberfläche angewiesen ist. Die Wurzeln der Pflanzen und die Bodenorganismen halten den Boden gesund, durchlüften ihn und machen ihn zu einem Schwamm, der Wasser aufnehmen und speichern kann. So können sowohl Trockenheit als auch Überschwemmung gemildert werden. Wild und natürlich als schön zu empfinden, ist vielleicht noch ein Weg, aber ein lohnender!

Das erste Jahr wurde erst Anfang August gemäht. Die ohne unser Zutun gekeimten Pioniere werden durch die Mahd dezimiert. Sehr starkwüchsige Gesellen wie die Ackerkratzdistel haben wir ausgestochen, obwohl sie wertvoll sind für die Fauna. Sie würden jedoch zu viel Raum besiedeln und sanftere Arten verdrängen. Pionierpflanzen wie Disteln und Steinklee sind in den benachbarten Gärten nicht zu fürchten, denn sie brauchen offenen Boden, gehen in einem eingewachsenen Garten also nur schwerlich auf. Dichter Rasen und eng bepflanzte Staudenbeete sind ein guter Schutz, ebenfalls Mahd und Schnitt.

Dieses Beispiel einer anderen, öffentlichen Anlage zeigt, wie die Artenvielfalt in den nächsten Jahren gut gelenkt werden kann. Artenreiche Wiesen können ganz normal gemäht werden, wo die Sicht erhalten bleiben soll oder ein sauberes Bild gewünscht ist. Blühinseln lässt man stehen, wo der Flor ohnehin schön bunt geworden ist, wo der Aufwuchs niemanden stört oder noch besser, wo er sogar als Zierde erlebt wird. Aber auch braune Halme im Herbst sind wertvoll! In ihnen leben Eier und Larven vieler Lebenskünstler, gleich Insekten, die als bunte Familie viele Nützlinge bieten und massenhaftes Auftreten von Schädlingen ausgleichen.

In diesem Beet wurden gezielt Steppenstauden gepflanzt, die Trockenheit vertragen und daher wenig Pflege brauchen, dazu eigenfruchtbare Arten, die Pollen für Schmetterlinge und Bienen liefern. Es wird nur einmal im Jahr im Vorfrühling zurückgeschnitten und der Boden soll einmal vollflächig bedeckt sein. So hat man eine stabile Pflanzengesellschaft mit ganzjährigem Flor.

 

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