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01.06.2017

Vermittler, Spielleiter oder Betreuer

der vielseitige Beruf des Heilerziehungspflegers


Sie pflegen und betreuen Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen. Sie agieren als Pädagogen, Kulturvermittler oder Alltagshelfer. Dabei tragen sie eine große Verantwortung und mit dazu bei, dass Menschen mit Behinderung genauso wie Menschen ohne Behinderungen am Leben inmitten der Gesellschaft teilhaben und teilnehmen können. Heilerziehungspfleger haben einen abwechslungsreichen und breit gefächerten Beruf.
Um diese Fähig- und Fertigkeiten zu erlernen, werden Heilerziehungspfleger in einer vierjährigen Ausbildung in der „Akademie im Schwesternverband“  in Neunkirchen darauf vorbereitet. Diese beginnt mit einem einjährigen Vorkurs. Daran schließt die zweijährige Fachschulausbildung an. Während dieser absolvieren sie in den verschiedenen Einrichtungen des Schwesternverbandes in Rheinland Pfalz und dem Saarland insgesamt drei Praktika. Im vierten Jahr, dem Anerkennungsjahr, arbeiten sie in ihren jeweiligen Ausbildungsbetrieben und können die theoretischen Ausbildungsinhalte gezielt anwenden.

Der Stundenplan der  sogenannten „Hep-Klasse“ ist dementsprechend vielseitig angelegt. Insgesamt gibt es 18 Fächer, schwerpunktmäßig aus den Bereichen Pflege,  Medizin und Pädagogik. Aber auch Bewegung, Hauswirtschaft und Musik sind fester Bestandteil des Unterrichts. Das Fach Spiel soll den jungen Menschen beispielsweise vermitteln, wie man Gesellschaftsspiele richtig spielt und dessen Regeln auch auf die unterschiedlichen Fähigkeiten der Klienten anpasst. Zu Beginn soll im Unterricht erst einmal die Spielfreude der jungen Menschen geweckt werden. „Heilerziehungspfleger schlüpfen oft in die Rolle des Spielleiters, aber auch in die des Animateurs“, erklärt Martin Schweizer, Dozent an der Akademie. „Diese Rolle, Menschen mit Behinderungen anzuleiten, müssen sie in der Ausbildung erst erlernen.“  So kann es in der Praxis manchmal von Vorteil sein, die Regeln eines Spiels zu ändern, damit alle Klienten daran teilnehmen können, unabhängig von ihrer Einschränkung.
Wichtige Eigenschaften von Heilerziehungspflegern sind auch handwerkliches Geschick und Kreativität. Hier lernen sie mit unterschiedlichen Materialen zu arbeiten Aber auch die Fähigkeit, Probleme selbstständig zu lösen und die Teamfähigkeit sollen in der Ausbildung gestärkt werden. So stellt Schweizer seinen Schülern die Aufgabe, aus Materialen, die sich im Klassenraum befinden, eine Spielpuppe zu basteln. Sofort herrscht reges Treiben, als die jungen Frauen und Männer Stoffe, Federn oder Holz raussuchen, aus denen sich eine Puppe basteln lässt. Mit begrenzten Ressourcen und simplen Materialen soll gearbeitet werden. Eine Schülerin näht mit der Hand eine kleine Puppe aus Stoffresten und Holzkugeln. Zwei andere Schüler basteln aus alten Strümpfen  lustige und simple Handpuppen, indem sie Kunststoffaugen aufkleben oder diese mit einem Stift anmalen und sie so „zum Leben erwecken“. 
Es geht nicht darum eine „perfekte Puppe“ zu gestalten, betont Martin Schweizer gegenüber der Klasse. Vielmehr sollen die Schüler lernen, dass es wichtig ist, die Klienten mit Hilfe begrenzter Materialen, die in der Einrichtung zur Verfügung stehen, anzuleiten. Dabei sollen sie auf die Fähigkeiten jedes einzelnen Klienten eingehen und diese so einsetzen, dass die Menschen mit Behinderungen dabei Spaß haben und ein gutes Gefühl vermittelt bekommen.
Auch im Unterrichtsfach „Werken“ wird kreativ und vielseitig gearbeitet. Die Schüler lernen unterschiedliche Materialien kennen, wie Ton und Speckstein, Holz oder Wachs. Hier steht zu Beginn die Materialerfahrung im Vordergrund. Dann dürften die Azubis mit dem Material arbeiten, wie beispielsweise den Speckstein feilen, bohren, polieren usw. So werden gleichzeitig auch die unterschiedlichen Verarbeitungstechniken kennen gelernt. Außerdem ist es für Heilerziehungspfleger wichtig, Möglichkeiten für Abwandlungen zu finden, damit auch Menschen mit einer Einschränkung damit arbeiten können. Das kann beispielsweise die Verwendung einer Therapieschere sein, die das Schneiden erleichtert.

Spaß am Beruf und der Arbeit mit Menschen mit Behinderung, das haben alle Azubis der Heilerziehungspflege-Klasse. Viele haben sich durch ein Praktikum im Vorfeld für die Ausbildung entschieden. In Einrichtungen, in denen Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen wohnen, konnten sie gute Einblicke in ihr späteres Arbeitsumfeld gewinnen.
Viele der jungen Menschen haben auch schon eine konkrete Vorstellung, in welchem Bereich sie nach dem Ende ihrer Ausbildung gerne arbeiten möchten. Einige sehen die Ausbildung als Sprungbrett für eine Weiterqualifizierung im Anschluss. „Ich möchte später in der Kunsttherapie arbeiten“, erklärt eine junge Frau. Ein anderer Schüler sieht seine Zukunft in einer Werkstatt, in denen er die Inhalte aus seinem ersten Ausbildungsberuf des Tischlers, mit einer heilerzieherischen Tätigkeit verbinden kann.
Nach erfolgreichem Abschluss stehen den ausgebildeten Fachkräften also eine ganze Reihe von Berufsmöglichkeiten offen. In den Einrichtungen des Schwesternverbandes werden die Heilerziehungspfleger beispielweise nach ihrer Ausbildung in ein Arbeitsverhältnis übernommen.

Der Vorkurs und die Ausbildung beginnen jährlich zum 1. September.

Weitere Informationen zur Ausbildung und den Voraussetzungen gibt's hier



Die angehenden Heilerziehungspfleger mit ihren selbstgebastelten Puppen.