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27.04.2016

Mehr Zeit für Pflege

Schwesternverband führt "vereinfachte Pflegedokumentation" ein.


Vor einem Jahr wurde die „Praktische Anwendung des Strukturmodells Effizienzsteigerung der Pflegedokumentation in der ambulanten und stationären Langzeitpflege“ im „Haus am Mühlenweg“ beim Schwesternverband umgesetzt – mit Erfolg. Nun wird die neue, verschlankte Dokumentation in allen Einrichtungen und Diensten des Schwesternverbandes eingeführt.

Hinter dem komplizierten Titel steckt ein Projekt der Bundesregierung, das den Bürokratieabbau der Pflegedokumentation zum Ziel hat. Ab 2013 entwickelte die damalige Ombudsfrau für Entbürokratisierung in der Pflege, Frau Elisabeth Beikirch, zusammen mit Fachleuten aus Praxis und Wissenschaft sowie juristischer Expertise, eine veränderte Dokumentationspraxis, die von rund 60 ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen getestet wurde. Anfang 2015 hatte der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, dann ein bundesweites Projekt für die Erprobung der neuen Dokumentation aufgelegt, an dem sich auch der Schwesternverband mit dem „Haus am Mühlenweg“, als eine der ersten Einrichtungen im Saarland, beteiligte.

Andrea Laux, Einrichtungsleiterin und Regionalleiterin des Pflegeverbundes Saar-Pfalz im Schwesternverband, und ihre Mitarbeiter zeigen sich nach der Erprobung begeistert. „Die neue Dokumentation ist effizienter, übersichtlicher und näher an der Praxis; auch unsere Mitarbeiter haben uns durchweg nur positive Rückmeldungen gegeben“, sagt Laux. Die Pflegedienstleiterin des „Haus am Mühlenweg“, Claudia Nosseck, ergänzt: „Wir sparen wirklich sehr viel Zeit, die wir in die tatsächliche Pflege investieren können und außerdem steht die Fachlichkeit unserer Pflegefachkräfte wieder mehr im Vordergrund.“

Der Unterschied zwischen der bisherigen Pflegedokumentation zur neuen verschlankten Dokumentation zeigt sich am folgenden Beispiel: Bei Einzug eines Bewohners mussten zuvor umfangreiche biografische Daten erhoben und eine Pflegeplanung mit Problemen, Ressourcen, Zielen und Maßnahmen erstellt werden, die teilweise einen Umfang von mehr als 20 Seiten ergab. Standardabläufe wie Körperpflege mussten kleinschrittig beschrieben und deren Durchführung von den Pflegemitarbeitern täglich abgezeichnet werden. Jetzt wird bei Einzug eines Bewohners eine strukturierte Informationssammlung bearbeitet. Hierbei steht der ausdrückliche Beginn des Dialogs mit dem Pflegebedürftigen zu seiner persönlichen Wahrnehmung der aktuellen Situation oder zu seinen Wünschen und Bedürfnissen im Vordergrund. Lediglich pflegerelevante  biografische Daten fließen bei der Erfassung der Hilfebedarfe ein und nach fachlicher Beratung wird ein Konsens zur Versorgung mit dem Bewohner vereinbart.

Die Standardabläufe sind in Verfahrensanleitungen beschrieben und werden von den Pflegemitarbeitern „immer-so“ ausgeführt. Dadurch ist kein Abzeichnen von Pflegemaßnahmen mehr notwendig.

Trotz der Vereinfachung werden die Qualitätsstandards weiter hoch gehalten, betont das Leitungsteam. „Statt einer umfangreichen, aber unübersichtlichen Pflegeplanung führen wir jetzt eine tagessstrukturierende Maßnahmenplanung, in dem die Mitarbeiter auf Anhieb sehen, welche Maßnahmen bei einem Bewohner über 24 Stunden geleistet werden müssen“, freut sich Claudia Nosseck, die damit auch zufriedenere Mitarbeiter hat. Natürlich koste die Umstellung der Pflegedokumentation auch wieder Zeit, denn die Pflegekräfte müssen geschult werden, Dokumente müssen ausgetauscht und abgeändert werden, „aber es lohnt sich allemal.“

Beim Schwesternverband wurde die verschlankte Dokumentation im Pflegeverbund Saar-Pfalz, der von Andrea Laux als Regionalleiterin betreut wird, bereits in vier Einrichtungen umgesetzt. Nach und nach soll das Strukturmodell auch in den anderen rund 30 Einrichtungen und Dienste für Senioren und Menschen mit Behinderung eingeführt werden.



Claudia Nosseck (sitzend) und Andrea Laux (rechts) mit einem Mitarbeiterteam.