Rechter Inhaltsbereich

Hans-Dieter Harf - "Ein gutes Gefühl, gebraucht zu werden"

Hans-Dieter Harf an seinem Arbeitsplatz in der "Laurentiushöhe"

Hans-Dieter Harf leistet seinen BFD in der Laurentiushöhe im Bereich Hauswirtschaft

Um acht Uhr am Morgen beginnt der Arbeitstag von Hans-Dieter Harf in der Hauswirtschaft der „Laurentiushöhe“ in Merzig-Schwemlingen. Als „Vollzeit-Bufdi“ ist er seit dem 01.12.2011 in der Einrichtung für Behinderte tätig, zuvor als Praktikant. Jedoch kennt er das Haus seit Februar 2007, als er vollstationär als Bewohner aufgenommen wurde.

Hans-Dieter Harf ist alkoholkrank. „Ich habe seit dem 24. März 2010 keinen Tropfen mehr angerührt!“ sagt er stolz. Der Aufenthalt in der „Laurentiushöhe“ hat ihm gut getan: „Ich habe hier endlich gelernt, den Mund aufzumachen, habe Selbstvertrauen gefunden und mein Selbstwertgefühl ist gestiegen.“ Nachdem er eineinhalb Jahre vollstationär versorgt wurde, schaffte er im September 2008 den Sprung in eine Außenwohngruppe. Seit vergangenem Sommer wohnt er in einer kleinen privat angemieteten Wohnung in Schwemlingen. 20 Minuten geht er von dort zu Fuß zu seinem Arbeitsplatz. Alleine lebt er nicht, sondern teilt sich die Wohnung mit seiner Lebenspartnerin Marion Fuhr, die er in der „Laurentiushöhe“ kennenlernte. Seit Mai 2010 sind die beiden ein Paar. „Wir geben uns gegenseitig Halt und bauen einander immer wieder auf“, sagt Harf.

„Herr Harf hat eine bemerkenswerte Entwicklung hinter sich, er benötigt aber weiterhin feste Strukturen und Sicherheit“, erklärt Psychologe Benedikt Heselhaus, der in der „Laurentiushöhe“ unter anderem die Teilnehmer der Freiwilligendienste betreut. Eine feste Tagesstruktur bekommt Harf durch seine geregelten Arbeitsabläufe. Er ist im Bereich Hauswirtschaft tätig, morgens in der Wäscheversorgung, nachmittags auf drei verschiedenen Wohnbereichen. Hierbei versucht Harf die Bewohner zu einfachen hauswirtschaftlichen Tätigkeiten, wie Wäsche falten und sortieren, zu motivieren und dabei anzuleiten. Bleibt noch genügend Zeit, wird nachmittags auch mal ein Brettspiel zusammen gespielt. „Ich kenne manche Bewohner ja noch von früher, ich beschäftige mich mit ihnen, motiviere und unterhalte sie. Da merke ich, dass ich gebraucht werde“, erzählt der 59-Jährige. Dass Hans-Dieter Harf als „Bufdi“ tätig ist, beschreibt Heselhaus als „Win-win-Situation“: „Herr Harf hat einen neuen Job gefunden, der ihm einen geregelten Tagesablauf gibt und Spaß macht und wir profitieren von seiner Erfahrung und können durch seine Unterstützung zusätzliche Leistungen anbieten.“ Dass er für eine 38,5 Stundenwoche nur ein Taschengeld von 445 € bekommt – dieses ist beim BFD bundesweit entsprechend Alter und Beschäftigungsumfang festgelegt – stört Harf nicht. In seinen alten Job als Sanitärinstallateur könne er wegen gesundheitlicher Probleme nicht zurück, für die Rente sei er zu jung, beziehungsweise nicht „krank genug“ und schließlich benötige er die feste Tagesstruktur. „Außerdem habe ich Spaß an der Arbeit und habe auch mit den Bewohnern viel Spaß, das zählt.“

Benedikt Heselhaus wünscht sich noch mehr „Bufdis“ für die Einrichtungen des Schwesternverbandes: „Wir brauchen die Unterstützung und für die jungen Menschen ist es eine Chance, Lebenserfahrung zu sammeln und in den sozialen Arbeitsbereich reinzuschnuppern.“ Besonders positiv empfindet er, dass im Gegensatz zum FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr), der BFD Menschen jeden Alters offen steht: „So erhalten auch ältere Menschen die Chance, nochmal ins Berufsleben einzusteigen, sich zu engagieren oder einfach nur Gutes zu tun.“ Hans-Dieter Harf ist dafür das beste Beispiel und er weiß schon jetzt, dass er seinen auf ein Jahr festgelegten Dienst verlängern möchte.