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02.06.2015

Komorbidität, Psychose und Sucht

Fortbildungsveranstaltung im "Haus Nahetal"


Ende Mai fand im „Haus Nahetal“ eine Fortbildungsveranstaltung zum Thema „Doppeldiagnose“ statt. Vor etwa 50 interessierten Teilnehmern erläuterte Referent Dr. H.-J. Kunert die komplexen Zusammenhänge der Thematik. Dabei berücksichtigte er sowohl Aspekte zum aktuellen Forschungsstand als auch persönliche Erfahrungen, die er unter anderem im Rahmen seiner psychotherapeutischen Tätigkeit in der AHG Fachklinik Rieden sammeln konnte.

Er erklärte zum Beispiel, dass chronischer Drogen- und/oder Alkoholkonsum zum Teil mit erheblichen Veränderungen der Affektlage im Persönlichkeitsgefüge sowie hinsichtlich der kognitiven Leistungsfähigkeit verbunden ist. Diese subtilen Veränderungen würden häufig nicht erkannt, hätten aber eine zentrale Bedeutung für die Chronifizierung der mit einem Alkohol-/Drogenkonsum assoziierten psychischen Störungen, die in der Gesamtheit von erheblicher Bedeutung für das psychosoziale Funktionsniveau sind.
Weiterhin zeigten sich Einschränkungen im Bindungs- und Beziehungsverhalten, die zudem die Arbeit mit den Betroffenen erschwerten. Die Beratung bzw. Betreuung oder Therapie dieser Personen sei somit neben der Suchterkrankung auch und vor allem auf die damit assoziierten weitergehenden psychischen und persönlichkeitsbezogenen Auffälligkeiten zu fokussieren, insbesondere dann, wenn eine schizophrene Psychose vorliegt. Dies bedeute, dass der Berater/Therapeut Wissen über die entsprechenden subtilen psychopathologischen Auffälligkeiten und manifesten psychischen Störungen erlangen müsse. Weiterhin sollte er zu einem flexiblen Umgang mit seinen Klienten/Patienten in der Lage sein und auch eine konfrontative Interventionsstrategie nicht ausschließen. Da die Betreuung bzw. Therapie von Abhängigen immer wieder auf die Bewältigung von Krisensituationen ausgerichtet sei, sollte jeder Berater/Therapeut wissen, welche besondere Rolle von ihm in den jeweiligen Krisensituationen als „Krisenmanager“ gefordert ist. Hier könnten die notwendigen Kommunikationsstrategien durchaus sehr umfangreich sein.

Bei der Weiterbildung wurden diese unterschiedlichen Aspekte auch durch zahlreiche Beispiele aus dem therapeutischen Alltag verdeutlicht. Aktuelle Forschungsergebnisse wurden berücksichtigt.