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29.09.2016

Schöne Erlebnisse mitgenommen

Michel Gräß aus Ottweiler-Steinbach arbeitet ehrenamtlich mit behinderten Menschen


Es ist Dienstag, einer der letzten Ferientage an denen Michel Gräß ausreichend Zeit hat, freiwillig Gutes zu tun. Dass er Gutes tut, erkennen Beobachter, wenn Sie in die Gesichter der beiden Frauen blicken, mit denen er am Tisch sitzt, malt und redet. Sie freuen sich über das Gespräch und die Aufmerksamkeit, die der Junge ihnen schenkt.

Michel Gräß ist ehrenamtlicher Mitarbeiter der „Häuser im Eichenwäldchen“ in Ottweiler. In der Einrichtung des Schwesternverbandes leben erwachsene Menschen mit schwersten, auch mehrfachen Behinderungen und Pflegebedarf sowie Menschen mit stark herausforderndem Verhalten. Der 15-Jährige ist ehrenamtlich auf dem Wohnbereich C3 tätig. Seine Mutter hat ihn vor zwei Jahren zum ersten Mal mit ins Eichenwäldchen genommen. Sie ist Heilerziehungspflegerin und zeigte dem Sohn ihren Arbeitsplatz. „Als ich zum ersten Mal hier war, hatte ich Angst vor den Menschen, die eine Behinderung hatten, weil sie sich anders verhalten; ich hab mich nicht mal getraut, alleine über den Flur zu gehen“, erinnert sich Michel lachend. Heute ist das für ihn unvorstellbar, denn alle Berührungsängste sind verflogen. „Es macht mir einfach Spaß, mich mit den Menschen hier zu beschäftigen, sie zu fördern“, erzählt er.

Mittlerweile arbeitet Michel Gräß regelmäßig in den „Häusern im Eichenwäldchen“ -  ehrenamtlich ohne Bezahlung, einfach weil es ihm Freude bereitet. Hat er währen der Schule wenig Zeit und ist nur sporadisch samstags oder mal an Feiertagen vor Ort, unterstützt er die hauptamtlichen Mitarbeiter in seinen Ferien fast täglich. Auf „seinem“ Wohnbereich leben nur Frauen, etwa 45, in beschützender Unterbringung, viele sind pflegebedürftig. Aber es gibt auch einige sehr fitte Bewohner, mit denen er sich am liebsten beschäftigt. „Ich gehe gerne mit ihnen spazieren, spiele Ball mit ihnen oder puzzele“, erklärt er seine Aufgaben. Angeleitet und betreut wird der Steinbacher bei seiner ehrenamtlichen Tätigkeit von Alltagsbegleiterin Herta Hahn. Sie hat ihm von Anfang an alles gezeigt und ihn angeleitet. Seine Aufgabe ist es, die Bewohner zu beschäftigen, für sie da zu sein und ihnen den Alltag zu gestalten. Einen festen Ablauf gibt es dabei nicht. „Jeder Tag ist anders“, erzählt Michel und beschreibt seinen Arbeitseinsatz: „Ich versuche jede Bewohnerin in der Zeit, die ich da bin einmal zu besuchen und biete ihnen dann eine Beschäftigung an. Manchmal rede ich auch nur mit ihnen, wie sie eben Lust haben.“ Verständigungsprobleme habe er kaum, obwohl nur zwei der Frauen richtig sprechen können: „Viele können nicken, lachen oder klatschen, wenn sie sich freuen oder an etwas Spaß haben; und sie zeigen mir auch, wenn sie etwas nicht möchten.“ Dass einige der Bewohnerinnen manchmal sehr launisch oder gar aggressiv sind, macht dem Schüler nichts aus. Er habe sich daran gewöhnt, das sei ganz normal und die schönen Momente überwiegen: „Wenn sich ein Bewohner freut, ist das einfach schön zu sehen!“

Natürlich hat Michel Gräß auch andere Hobbies und Freunde, mit denen er ab und zu was unternimmt, aber die Arbeit mit behinderten Menschen liegt ihm am Herzen. Highlight seiner Tätigkeit seien immer wieder die Ausflüge, die regelmäßig mit den Bewohnern unternommen werden und die er mit begleitet. Ob ein Besuch im Luisenpark in Mannheim, am Bostalsee oder im benachbarten „Haus am Mühlenweg“, das seien Erlebnisse, die lange in Erinnerung bleiben, nicht nur bei den Bewohnern: „Ich erinnere mich noch gerne an das diesjährige Feuerwehrfest in Steinbach zurück. Dort gab es einen Künstler, der hat mit einer unserer Bewohnerinnen Luftballons geformt und sie hatte so viel gelacht und sich gefreut; das war dann auch für mich sehr schön.“ Für Einrichtungsleiterin Bärbel Dollak ist Michel Gräß unbezahlbar: „Michel leistet bei uns wirklich gute Arbeit, ist immer hilfsbereit und gut ins Team integriert. All das macht er ehrenamtlich, wofür wir gar nicht genug Danke sagen können.“

Nun hat ihn aber die Schule wieder. Die Sommerferien sind vorbei und Michel Gräß besucht die 9. Klasse der Maximilian-Kolbe-Schule in Wiebelskirchen. 2018 wird er den Realschulabschluss machen. Sein Berufswunsch steht bereits fest: zum Vorpraktikum an der Akademie, der Fachschule für Heilerziehungspflege des Schwesternverbandes, ist er quasi schon angemeldet. „Ich will lernen, wie man die Bewohner gezielt fördert, deren Leben bereichern kann“, erklärt er seine Ambitionen für die 4-jährige Ausbildung. Üben kann er dies bereits in den nächsten Ferien, die er mit Sicherheit wieder in den „Häusern im Eichenwäldchen“ verbringen wird. Und darauf freuen sich mich ihm selbst nicht nur das Leitungsteam und die Mitarbeiter, sondern vor allem die Bewohner.