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14.07.2017

Die Montagsmaler

Kunstausstellung der Wehrle-Werk-Stiftung im "Haus St. Katharina"


Seit acht Jahren treffen sie sich jeden Montagnachmittag: die Malgruppe der Senioreneinrichtung „Haus St. Katharina“. Im Laufe der Zeit sind viele schöne Werke entstanden. Diese werden derzeit noch bis zum 30. September in einer Ausstellung zu sehen sein. Zu bewundern sind unter anderem bunte Landschaftsbilder, Stillleben und aus dem schöpferischen Prozess Geborenes, gegenständlich oder eher Abstraktes.
Die „Montagsmaler“ wie die Bewohnergruppe rund um Kunsttherapeutin Edelgard Fleckenstein liebevoll genannt wird, trifft sich wöchentlich im Mehrzweckraum. Dann ist Kreativzeit und sie malen mit unterschiedlichen Mitteln wie fester und flüssiger Wasserfarbe, so genannte Gouache, mit Pastellkreide und  Bleistift. Auch Filzstift oder Kohle kommt mal zum Einsatz. Mancher findet den Zugang zu seinem persönlichen Ausdruck über eine ganz bestimmte Technik, malt ausschließlich mit Gouache oder Pastell und das über Jahre.
Malimpulse bietet die Kunsttherapeutin über unterschiedliche Wege an, z. B. über Bildvorlagen. Sie bieten Sicherheit, dienen der Überwindung der Angst vor dem weißen Blatt und stellen eine anfängliche Orientierungshilfe dar. Es geht dabei aber  nicht um die Schaffung eines genauen Abbildes. Im Verlauf des Malprozesses löst sich der Gestaltende  von der Bildvorlage, sobald er  in Kontakt kommt zu den eigenen schöpferischen Quellen. Bilder und Spuren, die er in sich trägt, werden sichtbar, Erinnerungen  werden geweckt und fließen in den Gestaltungsprozess ein. So entsteht mit der Zeit – mal spontan, mal über Wochen und Monate hinweg - ein eigenes, neues und einzigartiges Werk. „Diese Prozesse anzuregen,  behutsam zu begleiten und sie in einem sicheren Rahmen zu halten, empfinde ich als  wesentlichen Teil meiner Arbeit“, erklärt die Kunsttherapeutin.

Bisher unentdeckte Talente
  
Edelgard Fleckenstein geht auf jeden Bewohner individuell ein. Momentan sind vier Frauen und ein Mann in der Gruppe aktiv. „Das ist eine gute Gruppengröße. So ist genügend Raum vorhanden, um jeden auf der Entdeckungsreise, auf dem farbigen Weg  zu seiner ureigenen Spur, dem persönlichen Licht, zu unterstützen“, sagt Fleckenstein. Humor ist dabei oft ein wichtiger Begleiter. „Einige Bewohner entdecken erst im hohen Alter, dass sie kreatives Talent haben und es ihnen Freude bereitet“, findet sie. Es gab schon Hundertjährige, die über das schöpferische Tun noch mal eine ganz neue Lebenserfahrung machen konnten. Staunen entsteht dann über die Schätze, die sie in sich tragen und nun zutage gefördert haben.
Bewohner mit Demenz waren bzw. sind in den vergangenen Jahren auch in der Gruppe aktiv. Wie zum Beispiel eine Seniorin, die zwei Bilder der aktuellen Ausstellung gemalt hat und mit viel Freude und Leidenschaft ihre eigenen Kunstwerke erschafft. Hauptsächlich mit Aquarellstiften und Wasserfarben, aber sie gestaltet auch überraschende und ästhetische Objekte aus Dingen, die  sie in ihrer Nähe zufällig vorfindet. Sie kann damit ihrer Kreativität Ausdruck verleihen und ihrer Fantasie, trotz Einschränkungen durch die Krankheit, freien  Lauf lassen.

Die bildlichen Ergebnisse von über acht Jahren zeigen sich nun in der Ausstellung im „Haus St. Katharina“. Die Malgruppe ist eines der Betreuungsangebote der Wehrle – Werk - Stiftung. Einrichtungsleiter Michael Zimmermann ist froh über das Engagement des Betreuungsdienstes:  „Mein besonderer Dank gilt der Wehrle – Werk - Stiftung für die Ermöglichung der vielfältigen Angebote für unsere Bewohnerinnen und Bewohner. Die sehr gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Betreuungsdienst existiert nun bereits seit über 16 Jahren.“ Ebenfalls dankte er Edelgard Fleckenstein, die die Malgruppe seit Beginn leitet. Ferner ist es durch die finanzielle Unterstützung des Fördervereins der Einrichtung erst möglich Arbeitsutensilien für die Malgruppe zu kaufen.



Einige der Mitglieder der Malgruppe.