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20.04.2015

Ziel ist die Selbständigkeit

Bewohner der Wohngruppen am Unteren Markt haben sich gut eingelebt


Seit Dezember letzten Jahres lebt Jürgen Reinert in Neunkirchen in den Wohngruppen Unterer Markt des Schwesternverbandes. Zusammen mit 18 anderen Männern und Frauen ist er aus den „Häusern im Eichenwäldchen“, einer vollstationären Pflegeeinrichtung für Menschen mit Behinderung in Ottweiler, in das ehemalige und nun renovierte City-Polster umgezogen. Eingelebt hat er sich bereits, aber sein Ziel ist es, nochmal in einer eigenen Wohnung in seiner Heimat Merzig selbständig zu leben.

Ein Unfall, mehrere Operationen an der Wirbelsäule, Krankenhausaufenthalte und Reha-Maßnahmen waren der Grund, dass Jürgen Reinert seine Eigenständigkeit aufgeben musste. Er saß im Rollstuhl und musste entscheiden, wie er sein Leben weiterführen sollte. Nach Beratungsgesprächen entschied er sich für den vollstationären Aufenthalt in den „Häusern im Eichenwäldchen“. Dabei wurde ihm die Option angeboten, bei Fertigstellung der Renovierungsarbeiten der Wohngruppen nach Neunkirchen umzuziehen. Und das tat Jürgen Reinert, denn mittlerweile geht es ihm wieder recht gut. Der ehemalige Rettungsassistent kann zwar wieder gehen, aber er wurde berentet, da es ihm körperlich nicht mehr möglich ist, zu arbeiten. „Es ist nicht jeder Tag wie der andere, manchmal geht es gut und dann habe ich wieder Schmerzen“, sagt Reinert. Beschäftigt ist er momentan in den internen Werkstätten in den Wohngruppen Unterer Markt. Hier werden unter anderem  Holzprodukte und Kerzen hergestellt. An guten Tagen geht er nach Feierabend in die Stadt, besucht Veranstaltungen oder geht seinem Hobby dem Fotografieren nach. Er arbeitet gut mit dem Personal des Schwesternverbandes zusammen, die ihn wiederum unterstützen. Doch auch wenn es ihm in Neunkirchen ganz gut gefällt, ist sein Ziel, schnell wieder in seiner Heimatstadt Merzig umzuziehen, denn dort leben ja weiterhin seine Freunde und Bekannte. Der 44 Jährige weiß, dass es noch etwas dauern kann, bis er wieder richtig fit ist, aber schließlich gestaltet sich die Wohnungssuche auch nicht einfach. „Ich lese bereits die Wohnungsinserate in den Zeitungen, aber meine künftige Wohnung muss für mich bezahlbar und ja auch barrierefrei sein, das findet man nicht so leicht“, sagt Reinert. Aber er ist guter Dinge und schmiedet auch Pläne für die nächsten Jahre: „Ich war vor meinem Unfall in der Freiwilligen Feuerwehr, vielleicht kann ich mich da als Ausbilder oder in der Jugendarbeit engagieren.“

Jürgen Reinert ist einer von 26 Personen, die in den Wohngruppen am Unterer Markt leben. Das Angebot richtet sich überwiegend an Menschen mit seelischer  Behinderung und/ oder chronischem Suchtmittelmissbrauch. Es geht darum, Teilhabe zu ermöglichen, das heißt, ein Leben in und mit der Nachbarschaft. Es geht darum, das Leben ganz praktisch zu meistern und  Beziehungen aufzubauen. Durch die zentrale Wohnlage sind kulturelle und sportliche Angebote, Geschäfte, Ärzte sowie Parkanlagen fußläufig erreichbar. Ein strukturierter Tagesrhythmus verleiht den Bewohnern Sicherheit, die Arbeitsangebote, die Begleitung im Alltag sowie Therapieangebote fördern Fähigkeiten, erweitern Grenzen und vermitteln Selbstvertrauen. Ziel für die Bewohner ist, neue Schritte zu wagen und neu durchzustarten, den Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu finden.

Genauere Informationen zum Angebot erteilt der pädagogische Leiter Martin Schweizer, 0171 - 4235151