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09.11.2016

Ambulant unterwegs

Sarah Bühler ist Pflegefachkraft in Kenzingen


Halb sechs am Morgen, es ist dunkel, nur wenige Autos, kaum Fußgänger sind in den Straßen von Kenzingen zu sehen. Aber Sarah Bühler ist schon unterwegs, auf dem Weg zur Frühschicht ins Büro des ambulanten Pflegedienstes in Kenzingen. Im Büro angekommen, versorgt sie sich mit dem Schlüssel des ihr zugeteilten Dienstwagens und den für die Patienten benötigten Medikamenten. Alles andere ist in ihrem Handy gespeichert. SNAP heißt das moderne Programm für ambulante Pflegedienste, das nicht nur die Tour gespeichert hat, die sie nun fahren muss, sondern auch die Maßnahmen, die bei den jeweiligen Patienten durchgeführt werden müssen.

Sarah Bühler arbeitet seit April 2016 im Service-Center in Kenzingen beim Schwesternverband. Zuvor war sie in Offenburg für eine stationäre Einrichtung tätig. „Ich wollte mich im Pflegespektrum verändern, Neues kennenlernen“, beschreibt sie ihre Motivation für den Arbeitgeberwechsel. Bereut hat sie den Schritt nicht, sie ist zufrieden mit ihrer neuen Arbeit.

Kurz nach sechs trifft die Pflegefachkraft schon bei der ersten Patientin ein. Auf dem Handy überprüft sie, welche Aufgaben zu erledigen sind. Hier nur die Kompressionsstrümpfe anziehen. Wenige Minuten später sitzt sie wieder im Auto und weiter geht‘s. Ein paar Straßen und Häuser weiter lebt die nächste Kundin. Hier steht mehr auf der Liste: Kompressionsstrümpfe anziehen, Medikamentengabe, Blutzucker messen und Insulin spritzen. Freudig wird sie von der alten Dame empfangen, die schon in der Küche gewartet und alle nötigen Hilfsmittel bereit gelegt hat. „Ja schön dass du wieder da bist, wie war denn dein Urlaub?“, wird Sarah Bühler freundlich begrüßt. „Ich fühle mich nicht als Krankenschwester oder Pflegekraft von den Patienten, es ist eher so, als wäre ich eine Vertraue oder gute Bekannte - das ist ein schönes Gefühl“, erzählt die 26-Jährige. Sie unterhält sich mit der Kundin und deren Freude über dieses „Highlight“ am Tag ist spürbar.

Gegen acht Uhr steht Anna Schoderer auf dem Tourenplan. Die 92-Jährige ist bereits seit Jahren Kundin beim Pflegedienst in Kenzingen, der im April 2015 vom Schwesternverband übernommen wurde. Sie lebt schon lange allein in Herbolzheim. Ihr Mann ist vor 20 Jahren gestorben. Aber sie hat drei Kinder, vier Enkel und fünf Urenkel, die sie regelmäßig besuchen, wie sie erzählt. „Wie geht‘s Ihnen denn heute?“ fragt Bühler nach. „Na ganz gut. Nur wenn es schwül ist, bin ich schon über 100“, entgegnet Schoderer pfiffig. Bis etwa um elf Uhr fährt Sarah Bühler von Kunde zu Kunde. 16 stehen an diesem Morgen auf dem Tourenplan im Handy. Anschließend geht‘s wieder ins Service-Center. Dort bespricht sich Bühler mit den anderen Kolleginnen, trägt besondere Vorkommnisse in die Pflegedokumentation ein. Danach werden die Medikamente für die Patienten für die nächsten Tage vorbereitet.

Eigentlich fand Sarah Bühler eher durch Zufall in die Altenpflege, wie sie erzählt. In ihrer Berufswahl war sie sich anfangs noch unschlüssig. Deshalb  entschied sie sich nach der Realschule für ein soziales Berufskolleg, denn Helfen war schon immer ihr Ding. Dort musste sie ein Praktikum von 900 Stunden im sozialen Bereich absolvieren und ging in die Altenpflege. „Nach Anfangs dachte ich, dass der Beruf überhaupt nichts für mich ist“, erinnert sie sich, „aber nach zwei weiteren Wochen hat sich irgendwie ein Hebel in mir umgelegt. Da wusste ich, das ist mein Traumberuf, das will ich machen.“ 2012 schloss sie die Ausbildung zur examinierten Altenpflegefachkraft ab. Die Herausforderung in der ambulanten Pflege sei, dass man sich auf die Menschen, so wie sie sind und wie sie leben, einstellen muss. „Man weiß nie, was einen hinter der Tür erwartet, ich akzeptiere die Kunden so wie sie sind, mit ihren Wünschen und Bedürfnissen und ich passe mich den Gegebenheiten an.“ Gut findet Sarah Bühler, dass viele Senioren noch bei recht guter Gesundheit sind, genügend Ressourcen haben, um alleine zu leben. „Und so pflege ich auch, ich unterstütze und fördere die Ressourcen“, sagt sie. Ihren Beruf will sie noch lange ausüben, er sei mehr eine Berufung als bloße Arbeit. „Mir persönlich gibt mein Beruf so viel zurück, zum Beispiel ein Dankeschön mit einem echten Lächeln auf den Lippen, eine Umarmung oder auch ein zufriedener, dankbarer Blick macht mich glücklich. Ich  kann die Welt nicht ändern, doch zu ein bisschen mehr Menschlichkeit beitragen.“ 

Ein ausführlicher Bericht erwartet Sie in der nächsten Ausgabe der "Hand in Hand".



Sarah Bühler und Anna Schoderer