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Wie der Papa gefühlt - Gerhard Bund geht nach 40 Jahren im Dienst des Schwesternverbandes in Rente

Ganze 40 Jahre lang hat Gerhard Bund in den „Häusern im Eichenwäldchen“ in Ottweiler gearbeitet, bis er am 1. Januar 2017 in Rente ging. Für sein langjähriges Engagement dankte ihm nun die Einrichtungsleiterin Bärbel Dollak im Rahmen einer Feier für langjährige und ehrenamtliche Mitarbeiter.

Eigentlich seien es schon 41 Jahre, die er im Eichenwäldchen angestellt war, erzählt Gerhard Bund, denn vor seinem eigentlichen Berufsstart absolvierte er dort auch seine einjährige Ausbildung zum Krankenpflegehelfer. Hatte er zunächst den Beruf des Kochs erlernt, sagte ihm seine Tätigkeit nach etwa drei Jahren nicht mehr zu und er suchte nach Alternativen. „Damals wurden Pflegekräfte gesucht und auch ein Kollege von mir schulte um, sodass ich nach einigen Gesprächen mit ihm entschied, das gleiche zu tun.“ Über das Arbeitsamt bekam er die einjährige Ausbildung finanziert und wählte als Ausbildungsbetrieb das damalige „Seid getrost“. Schon wenige Jahre später nahm er an seiner ersten sonderpädagogischen Zusatzausbildung teil und wurde kurz darauf Stationsleiter. Kurse in Themen wie Mitarbeiterführung und Mentorenschulungen folgten, bis er 1996 in der verbandseigenen Akademie die Fachkraftausbildung zum Heilerziehungspfleger absolvierte. „Ich wurde von meiner Chefin immer gefördert und habe mich gerne weitergebildet“, sagt der 63-Jährige. Auch als Fachkraft besuchte er weiterhin diverse Fortbildungen zu Themen wie Epilepsie, Aids oder Sterbebegleitung; er war in den „Häusern im Eichenwäldchen“ Mitglied im Betriebsrat, Sicherheitsbeauftragter im Pflegebereich und Inkontinenzbeauftragter.

Der Umgang mit den Bewohnern, die ganz verschiedene und meist mehrfache Behinderungen haben, fiel ihm nicht schwer. Er arbeitete all die Jahre meist im selben Wohnbereich, habe die Bewohner von Anfang an begleitet: „Sie kamen damals vor 40 Jahren als 17 oder 18-Jährige und sind mit mir gealtert. Die Arbeit hatte Kontinuität, es war wie in einer Familie“, lächelt Bund und fügt hinzu: „Wenn ich heute `meinen Wohnbereich` besuche, merke ich, dass ich hier wie der Papa bin.“ Das sei erstaunlich, denn es sei ihm früher nie aufgefallen. Bemerkenswert fand er bei seiner Arbeit auch, wie sich der Umgang mit den Menschen mit Behinderung gestaltete, zum Beispiel mit Menschen mit Down Syndrom. Da sei viel Herzlichkeit und Urvertrauen zu spüren gewesen, ein tolles Gefühl. Eine Schattenseite seiner Arbeit war es, miterleben zu müssen, dass einige Bewohner wenig Besuch bekamen und zu ihren Angehörigen gar keinen Bezug mehr hatten oder wenn die Angehörigen noch nicht einmal nachfragten, vielleicht auch gar nicht bekannt waren. Das sei aber nicht bei allen Bewohnern so gewesen: andere wurden von ihren Verwandten von Beginn an begleitet, hatten ein gutes Verhältnis, was auch unterstützend für die tägliche Arbeit der Pflegekräfte ist. Ein vertrauensvolles Verhältnis zu Bewohnern und Angehörigen müsse man sich erst erarbeiten und das sei ein wichtiger Baustein, erklärt die Einrichtungsleiterin: „Ein Ziel unserer Arbeit, das Gerhard immer erreicht hat.“

Auch die mangelhafte Akzeptanz in der Gesellschaft und die fehlende politische Unterstützung habe ihm manchmal zu denken gegeben. Im Rahmen seiner Fortbildungen lernte er die Arbeit mit behinderten Menschen zum Beispiel in Holland kennen: „Die waren in den 80ern schon viel weiter als wir es heute sind.“

Da der Weg von seinem Zuhause, dem Wetschhauser Hof, bis ins Eichenwäldchen nicht weit ist, und auch seine Frau als Podologin in der Einrichtung tätig ist, besucht er die Bewohner auch heute weiterhin regelmäßig. Aber vermissen tut er die Arbeit nicht, schmunzelt Bund. Er genießt die neue Freizeit: „Wir haben uns ein Haus gekauft, das wird gerade renoviert, ich bin also viel in Aktion und es wird nicht langweilig.“ Einrichtungsleiterin Bärbel Dollak dagegen vermisst ihren langjährigen Mitarbeiter: „Gerhard war zu jeder Zeit sehr engagiert und wir konnten immer auf ihn zählen. Das ist nicht selbstverständlich und ich möchte ihm an dieser Stelle von Herzen danken“, lobt ihn Bärbel Dollak.